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Atommüll stop déchets nucléairesDie Transporte von radioaktivem Uranhexafluorid (UF6) durch Bonn seien völlig sicher, so Herr Ridder in seinem Leserbrief vom 12. Februar 2007 im General-Anzeiger. Kritische Fragen sind von einem Mitarbeiter der Internationalen Atomenergie-Organisation allerdings auch nicht zu erwarten, schließlich ist der Arbeitsauftrag dieser Agentur der Ausbau der kommerziellen Nutzung der Atomenergie.

Mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Atomindustrie ist, insbesondere hinsichtlich ihrer Transportpraktiken, etwas geringer. Um nur die beiden bekanntesten Fälle aus der Bundesrepublik zu nennen: Nach Schmiergeldzahlungen und der Falschdeklarierung von 312 plutoniumhaltigen Fässern als "schwach radioaktiv" wurde den Firmen Transnuklear und Nukem im hessischen Hanau 1987 vom damaligen Umweltminister Töpfer die Betriebs- und Transporterlaubnis entzogen. 1998 stoppte die damalige Umweltministerin Merkel die Castor-Transporte mit abgebrannten Brennelementen vollständig, nachdem publik wurde, dass AKW-Betreiber jahrelang Messprotokolle gefälscht hatten. Aufgrund undichter Behälterdeckel wurden regelmäßig Grenzwerte überschritten.

Am sichersten sind vermutlich jene Atomtransporte, die überhaupt nicht stattfinden. Denn auch die internationalen Standards, auf die Herr Ridder hinweist, sind leider oft das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Die Bundesregierung erklärt in ihrer Antwort auf eine Kleine Bundestagsanfrage vom 16. Juli 2001 (BT-Drucksache 14/6692): "Die für den Transport von natürlichem und abgereichertem UF6 verwendeten 48Y-Behälter erfüllen nicht die Richtlinien der International Atomic Energy Agency (IAEA). In einem Feuertest konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die 48Y-Behälter bei einem Brand (800 °C, 30 min) bersten. Daher ist der Transport von natürlichem und abgereichertem UF6 als besonders bedenklich einzustufen."

Jeder Urantransport durch Bonn gefährdet aber nicht nur die Anwohner der Bahnstrecke, sondern trägt mit zum weiteren Ausbau der Atomenergie bei. Die Urananreicherungsanlage Gronau, Empfängerin des Urans, erweitert zurzeit ihre Kapazitäten von 1.800 t auf 4.500 t Urantrennarbeit. Damit werden weltweit mehr als 35 Atomkraftwerke versorgt und die Zahl der Atomtransporte durch Bonn weiter steigen. 

Jörg Mühlenhoff, Vorstand BUND Bonn

General-Anzeiger Bonn, 12. Februar 2007
www.general-anzeiger-bonn.de

Leserbrief "Transport radioaktiver Stoffe ist sicher"
zum Artikel "Stadt hat keinen Einfluss auf gefährliche Güter", General-Anzeiger Bonn, 30. Januar 2007

Eigentlich sollte sich ein Abgeordneter, bevor er eine Frage aufwirft und öffentlich bekannt macht, "dass er sich Sorgen macht", etwas mehr über die Praxis informieren. Aber es ist offensichtlich leichter, eine Frage zu stellen, sie gleich an die Medien weiterzuleiten und sich vielleicht erst dann mit der Sache zu beschäftigen. Ich selbst habe mich fast drei Jahrzehnte mit dem Transport radioaktiver Stoffe (und auch Uranhexafluorid) bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien befasst und weiß, um was es geht. Hier ein paar Fakten:

1. Uranhexafluorid ist ein Zwischenprodukt für die Herstellung von frischen Brennelementen.

2. Uranhexafluorid hat eine sehr geringe spezifische Radioaktivität (weniger als die meisten Radiopharmaka, die täglich in tausenden Sendungen für medizinische Zwecke befördert werden). Die Hauptgefahr liegt in der Ätzwirkung.

3. Uranhexafluorid wird in weltweit genormten Stahlbehältern befördert, die den Vorschriften der IAEO entsprechen müssen.

4. Während der Beförderung befindet sich das Uranhexafluorid im festen Zustand. Nach der Beförderung wird es durch Erhitzen des Behälters geschmolzen und so aus dem Behälter herausgenommen.

5. Der radioaktive Inhalt eines jeden Behälters ist so limitiert, dass bei einem eventuellen Freiwerden (was aufgrund der stark dimensionierten Behälterbauweise und des festen Zustandes während der Beförderung sehr unwahrscheinlich ist), keine Schäden für Menschen und Umwelt entstehen können.

6. Aufgrund der geringen Radioaktivität wird der zulässige Wert der radioaktiven Strahlung an der Außenfläche der Behälter weit unterschritten. Die Auslösung eines "Großalarms", wie in dem Artikel angegeben, muss deshalb auf irgendwelche Fehlmessungen oder falsche Interpretation der Messergebnisse beruhen. Lassen Sie mich noch bemerken, dass es in über 50 Jahren beim Transport radioaktiver Stoffe keine Todesfälle gegeben hat - auch wurden Personen nicht durch Strahlen signifikant verletzt. Der Transport radioaktiver Stoffe ist sicher - was will man eigentlich mehr. Alles andere ist Panikmache!

Klaus Ridder, Königswinter